Mittlerweile scheint die Technologie „Blockchain“ als Lösung für alles herangezogen zu werden. Als ich vor zwei Jahren die European Identity Conference besuchte, war ein ganzer Konferenztag ausschließlich dem Thema „Blockchain“ gewidmet. Auch die Konferenz selber war durchzogen von Blockchain.

Die Teilnahme an der pre-conference habe ich mittags abgebrochen. Auch wenn Martin Kuppinger bemüht war möglichst viele potentielle Fachleute zu engagieren, waren die Vorträge eher flau. Es wurden wirklich an den Haaren herbeigezogene Usecases diskutiert, die zwar alle einen gewissen Vorteil von einer Blockchain haben, wo es aber zunächst erst einmal darum ging, prozessuale Hindernisse aus dem Weg zu räumen, um diese Technologie überhaupt sinnvoll umsetzen zu können. Das altbekannte Thema mit den nicht mehr notwendigen Clearingbanken wurde erwähnt, genauso wie die mit einer Blockchain überflüssigen doppelten Buchhaltung.

Während der Konferenz kamen diverse Startups mit Blockchains zur Speicherung von Identitäten. Der Vorteil hier sei, dass diese nicht mehr veränderbar sind, bzw. jede Veränderung nachvollzogen werden könne.

Eine der Ideen war z.B. Flugbefähigungen und Flugscheine in einer Blockchain zu speichern, denn so könne ja jeder alles nachvollziehen. Auf meine Frage hin, warum ich denn der Blockchain glauben solle, dass diese Person einen Flugschein habe, hieß es ernsthaft, man könne ja Zertifikate als Trustanker verwenden (das Thema je mehr Likes umso mehr Trust hatten wir zum Glück schon zuvor verworfen). Dumm nur, dass Zertifikate ablaufen und das aus gutem Grund. Der gewonnene Vorteil einer ewigen, unveränderbaren Speicherung würde also nur solange interessant sein, bis ich mich rezertifizieren muss. Natürlich kann man dann einen neuen Block speichern und mit dem neuen Zertifikat ablegen, nur was ist damit gewonnen?

Interessant war eine Podiumsdiskussion, bei der eine Kollegin von Delloite es auf den Punkt brachte: Alle auf der Konferenz genannten Usecases sind vor einem Business Hintergrund völlig uninteressant.

Blockchain wird kommen und es wird die Zukunft verändern. Es wird zur Dematerialisierung von Gütern beitragen. In Zukunft werden wir sicher kein materielles Bargeld mehr haben. Cryptowährungen sind die ideale Anwendung für Blockchain. Aber auch andere Güter lassen sich damit virtualisieren. Denken wir an Urheberrechte. Jedes Schriftstück oder Medium könnte in einer Blockchain unmittelbar mit seinem Urheber für ewig verbunden werden. In der Logistik bieten sich ungeahnte Möglichkeiten. Beim Verschiffen von Gütern werden Unmengen von Papier bewegt, Zollbestätigungen ausgefüllt, etc. Da die Vorgänge in weiten Teilen manuell verlaufen, passieren Fehler. Auch in modernen Containerterminals, bei denen außer der Datenbank niemand mehr weiß, wo ein Container steht, wäre die Einbindung in eine Blockchain von Vorteil. Schon jetzt laufen immer mehr Dienste auf Basis von Blockchains. Das wird eine interessante Zukunft und das Thema werde ich sicher weiterverfolgen.