In meinem letzten Blogbeitrag erwähnte ich die Podiumsdiskussion, der Dame von Deloitte in dem sie klarmachte, sie sehe (aktuell) keinen Business Case für Blockchain. Wie ich ebenfalls erwähnte teile ich exakt diese Meinung.

Wie es so ist mit Hypes startet die Kurve ziemlich steil. Das passierte in der folgenden Zeit auch mit der Blockchain. Nebenbei bemerkt führte mir das gerade wieder vor Augen, wie recht doch unter anderem Moor (Mitbegründer von Intel) mit seiner Aussage hatte, dass die Innovationszyklen durch die Digitalisierung einer exponentiellen Funktion folgen. Deloitte entwickelte kurz darauf eine Studie mit vier Szenarien für die Zukunft der Blockchain. Das Optimistischste nannten sie Blockcracy. Die Blockchain wird als Beginn einer neuen Ära gefeiert. Auch wenn, so wie ich das damals betrachtete und auch heute teilweise noch sehe, es aktuell keinen wirklich validen Business Case gibt, den man nicht auch einfach anders lösen könnte, bringt die Blockchain Transparenz. Transparenz wiederum ist die Grundlage für Vertrauen.

So gibt es mittlerweile NGO’s, die auf Basis einer Blockchain Spenden sammeln und direkt an die entsprechenden Projekte weiterleiten. Insbesondere in weniger entwickelten Gegenden der Welt ist das ein gutes Mittel um Korruption und den Verlust der Spenden z.B. durch Überweisungsgebühren zu minimieren. Es lässt sich auch eindeutig nachweisen wohin meine Spende fließt, so als wenn ich jemanden auf der Straße ein paar Euro geben würde.

Ein weiteres Projekt, ID2020, beschäftigt sich damit Menschen eine gesicherte ID in der Blockchain zu geben. Mit dieser ID hätten Sie Zugang zu Dienstleistungen und Werten, die ohne Selbige verschlossen bleiben würden. Als Beispiel seien hier nur Konten und Wohnungen, sowie Sozialleistungen erwähnt. Wie ich schon in einem meiner Blogs zum Thema Biometrie ausgeführt habe, stehe ich dem allerdings sehr skeptisch gegenüber. Genau wie bei der Biometrie kann eine Speicherung in der Blockchain nicht verhindern, dass die Daten gestohlen und die Identität missbraucht wird. Genau wie bei der Biometrie sind diese Daten in der Blockchain ewig mit der Identität verbunden. Es bedarf hier einiger Überlegungen um den Missbrauch schon im Design der Chain zu unterbinden.

Sieht man die in Verbindung mit Smart Contracts eröffnenden Möglichkeiten, kommen sicher in naher Zukunft auch valide Businesscases zustande. Ethereum ermöglicht mittels Dapps (decentralized Applications) den Zugang zu Smart Contracts in Verbindung mit der Kryptowährung. Man kann damit vereinbaren, dass z.B. eine Überweisung ausschließlich für den Tausch gegen Lebensmittel gültig ist. Da diese Bedingung im Block mit der Summe an der Kryptowährung des Senders und des Empfängers verbunden ist, wird Sie auch nur äußerst schwierig für andere Zwecke eingesetzt werden können. Mit smart contracts könnte man auch Unternehmen aufbauen, die ausschließlich virtuell in der Chain existieren. Ansätze, wenn auch noch ohne Blockchain, sondern mittels Kreditkarte, bieten diverse Wohnungs-, Car Sharing oder taxiähnliche Mitfahr-Dienste. Hier wird kein Eigentum mehr erworben, sondern auf das Teilen gesetzt. Genau dafür bietet die Blockchain Technologie eine viel bessere Grundlage als zentrale Datenbanken.

Bei aller Euphorie darf man nicht außer Acht lassen, dass eine Blockchain betrieben werden muss, wenn auch verteilt auf vielen Rechnern. Dennoch, es entsteht ein hoher Energiebedarf, der gedeckt werden will. Auch über die Umweltbilanz der Digitalisierung sollte man nachdenken. Die Aspekte sind nicht nur positiv.

Ich bin dennoch davon überzeugt, dass diese Technologie, ähnlich wie 2007 das iPhone, eine neue Ära einleiten wird. Stay tuned.