Auf der Cloud Academy der IBM bot sich mir eine gute Gelegenheit, einmal wieder mit den Entwicklern der IBM zu sprechen. Im Grunde haben sich meine bisherigen Annahmen bestätigt: Der Hype kühlt langsam ab und insbesondere die Public Blockchain setzt sich noch nicht richtig durch. Es gibt dafür einfach keinen Business Case. Zudem ist unsere Gesellschaft nun einmal nicht dezentral organisiert. Das Vertrauensverhältnis basiert immer auf einer zentralen Instanz, die im Notfall auch die Durchsetzungskraft hat.

Hyperledger

Ebenfalls zeigt sich, dass sich private Blockchains weiter durchsetzen. Dabei kommen allerdings andere Organisationsformen zum Einsatz. Die Usecases basieren durchweg auf dem Hyperledger Projekt, dass 2015 durch die Linux Foundation ins Leben gerufen wurde. Hyperledger implementiert ein Framework auf Basis von offenen Protokollen. Dabei werden neben den Mechanismen der Blockchain und Smart Contracts auch Identity und Access belange berücksichtigt. Das Indy Projekt ist mittlerweile im HyperLedger Projekt aufgegangen und sorgt hier für ein verteiltes, User-Centric Identity Management. Dazu in einem weiteren Beitrag mehr. Einen guten Überblick gibt Jonas Verholen in einem Beitrag: https://blog.codecentric.de/2018/03/blockchain-projekt-hyperledger/

Usecases

Im Gegensatz zu Token Chain sind hier keine Miner notwendig. Die Kryptooperationen sind wesentlich weniger rechenintensiv und damit deutlich kostengünstiger. Der eigentliche Vorteil jedoch ist, dass die Information allen Teilnehmern zur Verfügung steht und schnell nachvollziehbar bleibt. So haben sich zum Beispiel etliche Retailer mit Lieferanten in einem Blockchain zusammengeschlossen um die Lieferkette verfolgen zu können. Insbesondere bei immer einmal wieder vorkommenden Problemen mit einem Produkt, etwa verunreinigten Lebensmitteln, lässt sich so nachvollziehen, wo das Problem entstanden ist und schnell beheben. In diesem Beispiel konnte mit der Blockchain die Nachvollziehbarkeit von 7 Tagen auf wenige Sekunden reduziert werden. Natürlich hätte als Technologie auch eine herkömmliche DB eingesetzt werden können. Die teilnehmenden Unternehmen hätten dann allerdings einem neutralen, externen Dienstleister vertrauen müssen oder darauf, dass jeder Teilnehmer die DB mit den richtigen Daten füttert und die Firma, die sie betreibt auch keine unerlaubten Änderungen vornimmt. Durch die Blockchain kann jeder Teilnehmer unverzüglich sehen, wie andere Teilnehmer der Supplychain die Ware verarbeiten. So können nicht nur Qualitätsprobleme gelöst, sondern auch Fakeprodukte identifiziert werden.

Hochwertige Ware oder auch sensible medizinische Produkte lassen sich per App vom Endverbraucher auf Echtheit prüfen. Dazu werden QR-Codes auf der Verpackung oder auch Farbcodes des eigentlichen Produkts mit den erwarteten und in der Chain gespeicherten Ergebnissen verglichen. Wurde z.B. eine Packung an einen definierten Standort ausgeliefert und wird nun an einem anderen gescannt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es sich um ein Fake-Produkt handelt.

Es gibt eine Reihe weiterer, sinnvoller Ansätze von Hyperledger  Blockchains im Business. So wird vermutlich der Public Ansatz noch einige Zeit auf sich warten lassen, die Technologie erobert dennoch langsam sinnvolle und wirtschaftlich interessante Einsatzgebiete.