Bei jeder industriellen Revolution sind Arbeitsplätze durch Automatisierung verloren gegangen. Gleichzeitig ist allerdings immer ein neuer Markt entstanden, auf dem mehr neue, anders orientierte, Arbeitsplätze entstanden sind. Mit der Digitalisierung wird das nach bisherigen Erkenntnissen anders. Auch wenn kurzfristige Trends dem entgegenstehen, wie aktuelle Studien zeigen, kann davon ausgegangen werden, dass mittel- und langfristig 50% der Arbeitsplätze entfallen.

 

Drei wichtige Thesen sprechen dafür:

 

Die Digitalisierung ersetzt Ihre Erschaffer

Momentan steigt die Zahl der gesuchten IT Spezialisten und die Nachfrage kann nicht vom Arbeitsmarkt bedient werden. Nicht nur Entwickler, auch Data Sientists und Security Experten werden dringend benötigt. In Zukunft wird KI selber Software entwickeln, Daten analysieren und Sicherheitslücken finden. Schon heute hat Google nachgewiesen, dass KI teilweise bessere neue KI Programme entwickelt als Programmierer. KI übernimmt die Aufgabe von Sicherheitsanalysten nach Cyberangriffen oder analysiert präventiv mögliche Gefahren. Ein gutes Beispiel ist IBM Watson, das in IBM’s Security Incident Management System durch Korrelation von Logdaten mit verfügbaren, unstrukturierten Daten, aus dem eine sehr schnelle und exakte Analyse eines Angriffs erstellen kann und auch Vorschläge zu dessen Abwehr unterbreitet. Für diese Arbeit haben Menschen unverhältnismäßig viel länger gebraucht. Cyberangriffe werden mit Watson in vielen Fällen erfolgreicher abgewehrt oder zumindest der Schaden begrenzt. Die Produktion wird sich stärker in den Bereich 3D Druck verlagern. DIE DHL experimentiert bereits mit Druckhubs um die Ware möglichst nah am Kunden zu produzieren. Dadurch entfallen Jobs in der Logistik und der Produktion. Beide werden nicht neu entstehen und auch die für die Drucker notwendige Software wird von KI erstellt werden.

 

Dominoeffekt

Sobald die Software in Form von KI und Robotern die Menschen aus den von den Arbeitsplätzen verdrängt hat, setzt eine Kettenreaktion ein. Die Maschinen optimieren sich selber. Es wird wesentlich weniger Produktionsstätte benötigt. Arbeitsplätze im Bau und der Planung sind damit gefährdet. Architekten, eigentlich ein kreativer Beruf, werden in bestimmten Bereichen weniger gefragt sein. Ebenso Planer, die bislang Fertigungsstraßen geplant und umgesetzt haben. Weniger 3D Drucker werden dann flexibel unterschiedlichste Produkte fertigen können.

Allein die e-Mobilität führt schon zur Reduktion der analogen Komplexität und Verlagerung in Software. Dadurch gehen viele Arbeitsplätze in der Automobilindustrie verloren und entsprechend auch bei den Zuliefer-Betrieben. Durch autonomes Fahren und Car Sharing werden zusätzlich deutlich weniger Fahrzeuge produziert, was den Effekt verstärkt.

 

Der Mensch selber

Das Scheitern der großen sozialistischen Experimente hat gezeigt, dass der Mensch an sich nicht bereit zu sein scheint, seinen Vorteil zugunsten der Allgemeinheit aufzugeben. Das passt zu Kants Überlegungen und der ewigen philosophischen Frage, was den Menschen vom Tier unterscheidet. Im Grunde stellt sich heraus, dass der Mensch ebenso nur über einen durch seine Wahrnehmung und den Drang zu Überleben gesteuert ist, wie jedes andere Tier auch. Wir sehen uns als Mittelpunkt, um den sich alles dreht. Könnten wir mit einer Eintagsfliege kommunizieren, wäre es hier sicher genauso.

Das heißt, wenn die Grenzkosten digitaler Güter gegen Null fallen, entstehen wesentlich geringere Kosten für den Einsatz von Robotern und Programmen als für Menschen. In einer durch materielle Werte getrieben Welt wird das zwangsweise dazu führen, dass Arbeitsplätze durch Software und Roboter ersetzt werden.

In den Industrienationen stehen nach aktuellen Schätzungen 30% bis 50% der Arbeitsplätze auf dem Spiel. Da hier genug Wirtschaftskraft und genügend finanzielle Mittel vorhanden sind, wird es einen gesellschaftlichen Konsens vorausgesetzt, eine Lösung geben. Viel schwieriger gestaltet sich die Lage in den Entwicklungs- und Schwellenländern, die nach wie vor auf Wirtschaftswachstum setzen müssen.